Samstag, 25. April 2015

Eines Morgens am Schreibtisch vor dem leeren Bildschirm


Während eine Geschichte entsteht, erwachen die Protagonisten zum Leben und manchmal weigern sie sich, dem geplanten Verlauf der Geschichte zu folgen...


Autorin:           "Heute hast du Sex."
Protagonistin:  "Heute? Spinnst du?"
Autorin:           "Ich spinne nicht."
Protagonistin:  "Mit wem?"
Autorin:           "Mit wem wohl."
Protagonistin:  "NEIN!"
Autorin:           "Warum nicht?"
Protagonistin:  "Weil das ein egoistisches, arrogantes Arschloch ist."
Autorin:           "Darauf fährst du doch seit dem ersten Kapitel ab."
Protagonistin:  "DAS IST NICHT WAHR!"
Autorin:           "Im ersten Kapitel hast du ihn schon angeschmachtet, jetzt ist das Buch halb um, also es wird Zeit."
Protagonistin:   "Das ist peinlich! Ich will einen anderen!"
Autorin:             "Es gibt nur den."
Protagonistin:   "Vielleicht einen Kuss."
Autorin:             "Okay, einen Kuss und dann sehen wir weiter."
Protagonistin:   "Auf die Wange.“
Autorin (prustet): "Das ist hier ein Frauenroman, kein Kinderkram."
Protagonistin:     "Wenn der mich richtig küsst, werde ich schwach."
Autorin:              "Das ist der Sinn der Sache."
Protagonistin:     "Wo haben wir Sex?"
Autorin:             "Geplant ist sein Wohnzimmer."
Protagonistin:    "Ich soll freiwillig zu ihm gehen? NIEMALS!"
Autorin:             "Soll er dich entführen?"
Protagonistin:    "Du schreibst einen Frauenroman, keinen Krimi."
Autorin:             "Entführungen können äußerst erotisch sein."
Protagonistin:    "Du wirst schon wieder peinlich."
Autorin:              "Okay, wo hättest du es denn gern? Zur Auswahl hätte ich noch das Auto, die Dusche, im Gartenhaus, in der Kü..."
Protagonistin:     "Hör auf! Wenn überhaupt, dann Wohnzimmer. Und vorher will ich einen ordentlichen Streit!"
Autorin:              "Okay, abgemacht."

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Autorin:               "Heute kriegst du sie."
Protagonist:         "Bist du sicher?"
Autorin:               "Ja."
Protagonist:          "Bisher ist sie aber ganz schön arrogant und abweisend."
Autorin:                "Das gehört zur Story."
Protagonist:          "Ist sie denn heute friedlicher?"
Autorin:                "Nein."
Protagonist (atmet erleichtert auf): "Gut. Ich dachte schon, es wird jetzt langweilig."
Autorin:               "Ich weiß, du liebst es, wenn sie richtig wütend wird."
Protagonist:         "Wenn sie schreit, bebt ihre Brust. Höchst anregend."
Autorin:               "Okay, ich lasse sie schreien. Sie will ohnehin erst streiten."
Protagonist:         "Wo treiben wir es denn?"
Autorin:               "In deinem Wohnzimmer?"
Protagonist:         "Ist das denn aufgeräumt?"
Autorin:                "Keine Ahnung, seit wann interessiert dich sowas?"
Protagonist:          "Sie ist doch so pingelig. Können wir es nicht in der Küche machen?"
Autorin:                "Sie will nur im Wohnzimmer."
Protagonist:          "Lass mich nur machen, das wird heiß in der Küche."
Autorin:                "Sie will aber...."
Protagonist:          "Hast du nicht gesagt, sie will sowieso vorher streiten?"
Autorin:                "Ja, aber...."
Protagonist:          "Lass sie ordentlich zetern, dann setze ich mein arrogantes Grinsen auf und fasse sie an den richtigen Stellen an, dann wird das schon."
Autorin (grinst):    "Okay."
Protagonist:          "Du könntest sie vorher durch den Regen schicken, ohne Jacke."
Autorin:                "Warum denn das?"
Protagonist:          "Wenn sie nass ist, schimmern ihre Brüste durch den Blusenstoff."
Autorin:                 "Du bist wirklich ein arrogantes Arschloch."
Protagonist:           "Und dann friert sie, muss sich ausziehen und sitzt im Bademantel, in meinem  Bademantel (!), in der Küche, wo ich ihr heiße Schokolade serviere.“
Autorin:                 "Und dann küsst du sie."
Protagonist:           "Mit Vergnügen."
Autorin:                 "Sie wird sich nicht freiwillig ausziehen, du weißt doch wie stur sie ist."
Protagonist:           "Sie muss, wenn sie keine Lungenentzündung riskieren will."
Autorin:                 "Sie wird einer vernünftigen Argumentation nicht folgen."

Protagonist (grinst): "Ich weiß."