Dienstag, 14. Februar 2017

Vom aktuellen Schreibtisch

Zum Valentinstag schenke ich Euch ein Textschnipselchen meines neuen Romans (natürlich unlektoriert, wer Tippfehler findet, darf sie behalten)
Titel noch unbekannt, Veröffentlichungsdatum auch


Das Bild vor ihren Augen und ihre Reaktion kommen wie ein plötzlicher gleißender Blitz, im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts. 
Da ist dieser Typ, der halb auf der Straße stehend gebeugt fotografiert und das Auto, das sich von hinten nähert und direkt auf ihn zu rast. 
„Vorsicht!“ Sina greift mit der freien Hand zu, ohne zu überlegen. Sie erwischt ihn am Oberarm. Sein Ellenbogen schleudert seitlich gegen ihre Rippen. Sie verliert das Gleichgewicht und fällt rückwärts, es folgt unmittelbar ein leichter Rempler eines Passanten von der anderen Seite, dadurch wird sie halb gedreht nach vorne gestoßen. Sie landet mit der Brust auf einem muskulösen, flachen Bauch und mit der Hand direkt auf einer warmen, ausgeprägten, Ausbuchtung einer Jeans. Alles geht so schnell, dass ihre Reflexe nicht reagieren, sie stößt nicht mal einen Schrei aus. Um sie herum duftet es plötzlich unglaublich maskulin, sehr herb, vielleicht nach Holz und Moos, gemixt mit einer süßlich- bitteren Nuance. Sie saugt die aromatisierte Luft ein, dreht irritiert den Kopf und starrt gegen einen Männerarm in einer dicken Jeansjacke, der wie ein Pfahl gerade in Richtung Himmel aufragt. Ihr Blick folgt hinauf und sie erkennt in seiner Hand eine dieser teuren Spiegelreflexkameras, wie Fotografen und Journalisten sie benutzen. 
„Fuck“, stößt eine raue, tiefe Stimme nah an ihrem Ohr aus. Schlagartig kapiert Sina, dass sie auf dem Brustkorb des Mannes liegt, den sie gerade von der Straße gezerrt hat, und der den Arm hochgerissen hat, um die Kamera vor einem Aufprall zu schützen. Zu allem Überfluss fasst ihre Hand in etwas warmes, klebriges, dickes auf rauem, feuchten Jeansstoff über einem Ding zwischen seinen Beinen, was ist ... wieso ... WAS?! Jeder Muskel in ihrem Körper spannt augenblicklich an und sie strampelt planlos hektisch herum, bis der Typ seinen Oberkörper aufrichtet und sie dabei mit anhebt. Ihre Füße finden Halt und sie rappelt sich ungelenk auf. Eine Sekunde später steht er auch und sie weicht erschrocken einen Schritt zurück. Er ist mindestens zwanzig, nein, gefühlte fünfzig Zentimeter, größer als sie und seine Schultern sind doppelt so breit wie ihre. Er ist schlank. Die langen, muskulösen Beine stecken in einer ausgeblichenen Jeans.
„Kannst du nicht aufpassen?“, donnert seine Stimme über ihr und ihr Blick zuckt hoch. Sie sieht im Schein der Laterne nur die Hälfte seines Gesichtes. Der Rest liegt im Schatten. Zu erkennen sind schwarze, leicht verstrubbelte, kurze Haare, dichte Augenbrauen und eine missmutig gekrauste Stirn. In seinen dunklen, bedrohlich zusammengezogenen Augen glitzert das gespiegelte Licht der Leuchtreklamen. Schmale Wangen und geschwungenen Lippen betonen den kräftigen Unterkiefer und das ausgeprägte Kinn. Ein Drei-Tage-Bart und die groben Schatten durch den Lichteinfall geben dem Gesicht einen herben, bedrohlichen Ausdruck. Seine Gestalt wirkt auf Lena beängstigend dominierend und gleichzeitig verwirrend anziehend. Anscheinend erwartet er keine Antwort, denn er schenkt seine volle Aufmerksamkeit der Kamera. Nachdem er sie von allen Seiten begutachtet und ein paar Knöpfe gedrückt hat, knurrt er ein kaum verständliches „Funktioniert. Glück gehabt“.
Ihre Wahrnehmung wird abgelenkt. Sie hat wohl in einer unbewussten Schreckbewegung die Hand an den Mund gelegt, aber was klebt da so? Sie dreht die Handfläche und starrt auf glibberige, rötliche Sauce. 
„So eine Scheiße!“, flucht der Typ, der anscheinend auch in diesem Moment bemerkt, dass etwas widerliches zwischen seinen Lenden pappt. „Keine Scheiße, nur Soße“, rutscht Sina trocken heraus, die soeben Curry auf ihren Lippen schmeckt und begreift, dass ihre Hand im Sturz die Currywurst auf seinem Schwanz zerquetscht hat. Oh je. Blamage in Perfektion.
„Nach vorne gucken soll helfen“, knurrt er genervt und erst, als Lena auffällt, dass er deutlich angepisst in ihre Richtung starrt, wird ihr klar, dass er sie angesprochen hat.
„Wie bitte?“
„Augen auf beim Gehen, Mädel, hat Mutti dir das nicht beigebracht?“
„Ich?“ Perplex starrt sie zu ihm auf.
„Nein, die Zehntausend anderen hier.“ Er schnaubt trocken. „Ja! Du! Wer sonst wollte mich gerade über den Haufen rennen?“
„Ich habe dir das Leben gerettet, du Spinner! Und das da“, sie zeigt auf seinen Penis, „war mein Abendessen!“ Ihre Stimme bebt vor Entrüstung.
„Willst du es abschlecken?“, fragt er süffisant grinsend.